Zu diesem Buch
25
Kapitel
108
Minuten
27k+
Wörter
14+
Content
Zurück ins Herz
Kapitel 1 – Ankunft im Paradies
Die letzten Sonnenstrahlen des Nachmittags fielen schräg durch die hohen Fenster des gewaltigen Anwesens. Sophia stand am Fuß der großen, geschwungenen Treppe und ließ ihren Blick über die marmorne Eingangshalle gleiten. Die Wände waren mit goldgerahmten Bildern geschmückt, auf denen gesichtslose Porträts von Vorfahren in strenger Pose abgebildet waren. Alles an diesem Haus schrie nach Reichtum und Kälte zugleich.
Sophia atmete tief durch. Das war ihre neue Arbeitsstelle. Sie war angekommen.
Der Fahrer, ein ernst wirkender Mann in schwarzem Anzug, schloss die Haustür leise hinter ihr. Sein Gesicht blieb ausdruckslos, als er ihren Koffer abstellte und wortlos in Richtung der Dienerschaftstür verschwand.
Sophia fuhr sich nervös durch ihr dichtes, kastanienbraunes Haar. Was hatte sie sich nur dabei gedacht, diesen Job anzunehmen? Doch sie wusste genau, was sie sich dabei gedacht hatte – das Geld. Die Bezahlung war zu gut, um sie abzulehnen. Und nach all den mageren Monaten war es die einzige Chance, ihre Familie finanziell zu unterstützen.
Ein leises Räuspern ließ sie herumfahren. Auf der obersten Stufe der Treppe stand ein Mann. Er trug ein schneeweißes Hemd, dessen Ärmel bis zu den Ellbogen hochgekrempelt waren. Seine dunklen Haare waren zurückgekämmt, und seine braunen Augen musterten sie kühl.
Alaric Hensley.
„Sie sind also die neue Nanny“, sagte er, ohne ein Lächeln. Es war keine Frage, sondern eine Feststellung.
„Ja, Sir. Mein Name ist Sophia Mendez“, antwortete sie höflich und hielt seinen Blick stand. Sie spürte seine Unzufriedenheit, als hätte er sie bereits verurteilt, bevor sie auch nur ein Wort gewechselt hatten.
„Mein Vater war derjenige, der Sie eingestellt hat“, fuhr Alaric fort, während er die Treppen hinabstieg. „Er meinte, Sie hätten Referenzen. Was sind Ihre Qualifikationen?“
Sophia spürte, wie ihr Herz schneller schlug. Sie hatte keine hochtrabenden Abschlüsse, kein Diplom einer renommierten Universität. Aber sie wusste, wie man sich um Kinder kümmerte. Sie wusste, wie man ihnen das Gefühl gab, geliebt zu werden.
„Ich habe in einem Waisenhaus gearbeitet und dort Kinder jeden Alters betreut“, erklärte sie ruhig. „Ich habe gelernt, wie man mit schwierigen Kindern umgeht und ihnen ein Gefühl von Stabilität vermittelt.“
Alaric hob eine Augenbraue. „Waisenhaus? Keine formale Ausbildung also.“
Sophia biss die Zähne zusammen. Der Ton in seiner Stimme war herablassend.
„Nein, Sir. Aber ich habe viel praktische Erfahrung“, entgegnete sie, ohne sich einschüchtern zu lassen.
Alaric verschränkte die Arme vor der Brust und musterte sie eingehend. „Nun, meine Töchter sind keine Waisen. Sie sind es gewohnt, das Beste zu bekommen. Ich erwarte, dass Sie sich entsprechend verhalten.“
Bevor Sophia antworten konnte, erklang ein helles, schepperndes Lachen aus dem angrenzenden Salon. Zwei Mädchen rannten in das Foyer, gefolgt von einer kleinen, pummeligen Gestalt, die laut schluchzte.
„Sie haben mir das Buch weggenommen!“, jammerte Sage, die Jüngste, mit Tränen in den Augen. Sie warf sich dramatisch auf den Boden und strampelte mit den Beinen.
Die Älteste, Zara, hielt ein glänzendes Märchenbuch über ihren Kopf und grinste boshaft. „Es gehört nicht dir, Dickerchen.“
„Gib es ihr zurück, Zara“, murmelte Evelyn, die Mittlere. Sie stand etwas abseits und spielte nervös mit einer Haarsträhne.
Sophia kniete sich zu Sage hinunter und strich ihr sanft über den Rücken. „Was ist passiert, Kleine?“
Sage sah sie mit wässrigen Augen an. „Sie hat mein Buch weggenommen.“
Sophia hob den Blick zu Zara, die sie herablassend ansah.
„Zara, kannst du deiner Schwester bitte das Buch zurückgeben?“
Zara schnaubte verächtlich. „Wieso sollte ich? Bist du jetzt die neue Nanny? Viel Spaß. Du wirst es nicht lange aushalten.“
Sophia hielt ihren Blick fest. „Vielleicht solltest du mir dann ein paar Tipps geben.“
Zara starrte sie an. Für einen Moment sah Sophia etwas in ihren Augen aufblitzen – vielleicht Überraschung, vielleicht Respekt. Doch dann wandte das Mädchen sich ab, ließ das Buch auf den Boden fallen und verschwand in den oberen Flur. Evelyn folgte ihr schweigend.
Sophia hob das Buch auf und reichte es Sage. „Hier. Alles wieder gut.“
Sage nahm es wortlos und klammerte sich daran, als wäre es ihr wertvollster Besitz.
Alaric stand während der gesamten Szene reglos da. Seine Miene war undurchdringlich, aber seine Augen beobachteten jede Bewegung von Sophia. Schließlich drehte er sich abrupt um. „Das Personal wird Ihnen Ihr Zimmer zeigen. Morgen früh um sieben ist Frühstück. Seien Sie pünktlich.“
Er verließ den Raum, ohne ein weiteres Wort.
Sophia atmete aus. Das war also ihre neue Realität. Ein eiskalter Mann, drei widerspenstige Mädchen und ein Haus, in dem Reichtum wie ein unsichtbarer Schleier über allem lag.
Doch Sophia war nicht hier, um sich einschüchtern zu lassen. Sie würde kämpfen – für sich und für diese Mädchen. Auch wenn es bedeutete, Alaric Hensley täglich ins Auge zu sehen.
Die Tür zur Dienerschaftstür öffnete sich leise, und eine ältere, rundliche Frau mit grau meliertem Haar trat ein. „Sie müssen Sophia sein“, sagte sie lächelnd und streckte die Hand aus. „Ich bin Mabel, die Haushälterin. Ich zeige Ihnen Ihr Zimmer.“
Sophia lächelte zurück. „Danke, Mabel. Es ist schön, jemanden Freundliches zu treffen.“
Mabels Lächeln wurde breiter. „Oh, Liebes. Hier wirst du noch viele Überraschungen erleben.“
Sophia folgte ihr durch die dunklen Flure des Anwesens, während der Regen draußen gegen die Fenster trommelte. Irgendwo hinter ihnen erklang ein leises, klagendes Klavierspiel. Die Töne hallten durch die kalten Wände und klangen, als würden sie von einer längst vergangenen Zeit erzählen.
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