Zu diesem Buch
25
Kapitel
105
Minuten
26k+
Wörter
16+
Content
Dreifacher Gewinn
Kapitel 1 – Der Alltag
Mia schloss die Autotür und seufzte tief. Der Alltag lastete schwer auf ihr, und das nicht nur wegen der vollen Einkaufstüten, die sie mühsam die Einfahrt hinauftrug. Das Haus, das sie sich vor zehn Jahren mit Tom gekauft hatte, war mittlerweile eher ein Klotz am Bein als ein Heim. Die Hypothekenraten drückten, und Tom war seit Monaten auf Jobsuche. Seine letzte Anstellung hatte er wegen der Massenentlassungen verloren. Mia wusste, dass er sich große Mühe gab, aber es reichte einfach nicht.
Im Wohnzimmer sah Mia ihre beiden Kinder, Emma und Leo, auf dem alten Sofa sitzen. Emma hatte ihren Laptop auf dem Schoß und war vertieft in ihre Hausaufgaben, während Leo mit einem Gamepad in der Hand ein Videospiel spielte. Mia ließ die Einkaufstüten in der Küche fallen und sah die leeren Regale. Früher waren die Schränke immer voll gewesen. Jetzt musste sie jeden Cent zweimal umdrehen, um über die Runden zu kommen.
In diesem Moment klingelte ihr Handy. Rachel. Mia drückte den Anruf weg. Sie wollte jetzt nicht über die ständigen Geldsorgen reden. Rachel war eine von Mias engsten Freundinnen. Sie hatten sich vor Jahren in der Schule kennengelernt und seitdem alles miteinander geteilt – auch die harten Zeiten. Mia wusste, dass Rachel es genauso schwer hatte. Ihr Mann arbeitete in einer Autowerkstatt, aber die Aufträge waren knapp. Die drei Kinder verschlangen das Geld schneller, als es hereinkam.
Mia goss sich ein Glas Wasser ein und setzte sich an den Küchentisch. Der Briefstapel vor ihr enthielt nicht nur Rechnungen. Es waren auch Mahnungen dabei. Die Stromrechnung war überfällig, und die Drohung der Abschaltung lag bereits im Briefkasten. Mia schloss die Augen und versuchte, die Panik zu unterdrücken, die langsam in ihr aufstieg.
Ein paar Straßen weiter stand Rachel in der Küche und schälte Kartoffeln. Ihr Sohn Toby saß am Esstisch und beschwerte sich über die ewig gleichen Gerichte. Kartoffeln, Nudeln, Reis – mehr gab das Budget nicht her. Rachel hörte ihm kaum zu. Sie dachte an die Miete, die sie nächste Woche zahlen musste. Und an die Schulbücher, die Toby dringend für die nächste Klasse brauchte.
„Mama, hörst du mir überhaupt zu?“ Toby sah sie vorwurfsvoll an.
„Ja, Schatz, ich höre zu“, sagte Rachel, während sie den Kartoffelschäler mit einem tiefen Seufzer beiseitelegte.
„Du hörst mir nie zu“, murmelte Toby und stapfte davon.
Rachel rieb sich die Schläfen. Sie hatte Kopfschmerzen. Nicht wegen Toby – sondern wegen des Bankkontos, das sich in den letzten Monaten immer mehr ins Minus bewegt hatte.
Zur gleichen Zeit saß Lisa in ihrem kleinen Büro und starrte auf den Bildschirm. Sie arbeitete als Sekretärin in einer kleinen Firma, aber der Chef hatte ihr vor ein paar Tagen durch die Blume mitgeteilt, dass es Entlassungen geben würde. Lisas Mann Marc wusste davon nichts. Er arbeitete als Taxifahrer und verdiente auch nicht viel. Die beiden Kinder, Clara und Finn, hatten ständig neue Wünsche, und Lisa fühlte sich wie eine Lügnerin, weil sie immer wieder vorgab, dass alles in Ordnung sei.
Die drei Frauen hatten sich heute Abend zum Kaffee verabredet. Es war ihre einzige Flucht aus dem grauen Alltag. Im Café „Moments“ saßen sie an ihrem gewohnten Tisch in der hinteren Ecke. Mia starrte gedankenverloren in ihre Tasse, während Rachel und Lisa über die Schule ihrer Kinder plauderten.
„Ich habe keine Ahnung, wie wir die nächste Miete zahlen sollen“, sagte Rachel plötzlich. „John hat diesen Monat keinen einzigen Auftrag reinbekommen.“
Lisa nickte zustimmend. „Marc hat neulich einen Fahrgast gehabt, der ihm fünfzig Dollar Trinkgeld gegeben hat. Das war unser Highlight der Woche.“
Mia legte die Tasse ab. „Tom hat heute Morgen gesagt, dass er überlegt, zur Zeitarbeitsfirma zu gehen. Er meint, selbst wenn der Lohn mies ist, wäre es wenigstens etwas.“
Die drei Frauen schwiegen. Es war das gleiche Gespräch wie jedes Mal. Immer die gleichen Sorgen, die gleichen Ängste. Doch heute war es anders. Rachel griff in ihre Tasche und zog ein Bündel Geldscheine heraus. Es waren Hunderter, sauber gestapelt und mit einem Gummiband zusammengehalten.
„Was ist das?“ fragte Lisa und sah Rachel entgeistert an.
Rachel lächelte schwach. „Ich habe es gefunden.“
Mia zog die Stirn kraus. „Gefunden? Wo?“
„Sagen wir einfach, ein alter Bekannter hat mir einen Gefallen getan“, sagte Rachel und drückte das Bündel wieder in die Tasche. „Er meinte, es sei ein einmaliger Deal. Aber ich weiß nicht, ob ich das glauben soll.“
Lisa und Mia sahen sich an. „Was für ein Deal?“ fragte Mia.
Rachel sah sich um, als wolle sie sicherstellen, dass niemand mithörte. „Es geht um Geldwäsche“, sagte sie leise. „Er meinte, es sei einfach. Wir müssten nur ein Konto bereitstellen, und er würde das Geld durchschleusen. Dafür bekommen wir einen Anteil.“
Lisa schluckte. „Bist du verrückt? Das ist kriminell!“
Rachel zuckte mit den Schultern. „Ist es krimineller, als die Miete nicht zu zahlen und die Kinder hungern zu lassen?“
Mia biss sich auf die Lippe. Sie dachte an die Mahnungen auf dem Küchentisch. An Tom, der jeden Tag verzweifelter wurde. Und an die leeren Regale in der Küche.
„Also, was sagt ihr? Seid ihr dabei?“ Rachel sah ihre Freundinnen an. „Einmal und nie wieder. Und wir wären raus aus dem Schlamassel.“
Die Spannung lag wie ein unsichtbarer Schleier über dem Tisch. Mia spürte, wie ihr Herz schneller schlug. Sie wusste, dass sie eine Entscheidung treffen musste – und dass diese Entscheidung ihr Leben verändern würde.
Hinweis
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