Zu diesem Buch
20
Kapitel
68
Minuten
17k+
Wörter
↓8
Content
Die Sternenwächter
Kapitel 1 – Der Regenbogenblitz
Es war ein Sommertag wie aus dem Bilderbuch. Die Sonne stand hoch am Himmel, der Asphalt glitzerte vor Hitze und irgendwo in der Ferne summte ein Rasenmäher. Ember rannte barfuß über das trockene Gras, ihre kupferroten Locken flogen hinter ihr her wie eine wehende Fahne. In ihrer rechten Hand hielt sie eine zerknitterte Karte, die sie selbst gezeichnet hatte. Es war kein gewöhnlicher Tag – und schon gar keine gewöhnliche Karte. Heute war Schatzsuchertag.
„Juniper! Thorne! Beeilt euch!“ rief Ember über die Lichtung. Ihre Stimme hallte zwischen den alten Eichen wider.
Juniper, schmal und flink wie ein Reh, kam mit einem Satz über einen Baumstamm gesprungen. Ihre dunklen Haare waren zu einem Zopf gebunden, ihre Augen funkelten. Thorne hingegen trottete gemächlich hinterher, die Hände in den Hosentaschen, als wäre es ihm völlig egal, ob er einen Schatz fand oder nicht. Er war der Größte der Gruppe – und definitiv der ruhigste.
„Ich sag’s euch: Diesmal ist es echt. Kein ausgedachtes Märchen. Ich hab’s geträumt. Da war ein Baumhaus, und darunter war Licht. Buntes Licht! Wie ein Regenbogenblitz!“, sagte Ember aufgeregt und zeigte auf den dichten Wald vor ihnen.
„Du träumst auch oft, dass deine Katze sprechen kann“, murmelte Thorne.
„Ja – aber dieses Mal war’s anders. Es war… leuchtend.“
In diesem Moment kamen zwei weitere Gestalten den Hügel hinauf. Cassian, der mit seiner dicken Brille und dem ewigen Notizbuch unter dem Arm wie ein junger Professor wirkte, schnaubte leicht. „Ihr glaubt wirklich, es gibt einen Schatz? Was soll’s denn sein? Gold? Ein magischer Roboter?“
„Vielleicht was viel Besseres“, sagte Veda, die letzte im Bunde. Ihre braunen Locken sprangen bei jedem Schritt, und sie trug wie immer ihre Lieblingsjacke – eine alte Jeansjacke mit einem Regenbogenaufnäher. „Vielleicht ist es etwas, das auf uns gewartet hat.“
Gemeinsam marschierten die fünf Kinder tiefer in den Wald hinein. Sie kannten diesen Weg gut – und doch fühlte er sich heute anders an. Die Vögel sangen leiser, der Wind war warm und trug einen Duft mit sich, den niemand benennen konnte. Und dann sahen sie es.
Das Baumhaus.
Es war halb versteckt zwischen zwei riesigen Platanen. Niemand erinnerte sich je daran, es gebaut zu haben – und doch sah es alt aus, als hätte es schon viele Sommer gesehen. Die Holzplanken waren von Moos überwuchert, doch in der Mitte der Tür war ein kleines Symbol eingeschnitzt: ein Kreis mit fünf Strahlen.
„Das ist es“, flüsterte Ember.
Sie kletterten nacheinander die knarzende Leiter hinauf. Im Inneren war es staubig, aber nicht leer. In der Mitte lag eine runde, flache Steinscheibe, auf der ein Stern eingeritzt war. Und um diesen Stern herum lagen fünf Kristalle – jeder in einer anderen Farbe: Rot, Blau, Grün, Gelb und Violett.
Juniper streckte die Hand aus. „Sie sehen aus wie...“
„...wie sie auf uns warten“, beendete Veda den Satz.
Einer nach dem anderen nahmen sie einen Kristall in die Hand. Ember wählte den roten, Cassian den blauen, Juniper griff nach dem grünen, Thorne nahm den gelben und Veda den violetten.
Kaum berührten sie die Steine, flackerte ein Licht auf. Es war kein grelles Licht – eher ein sanftes Leuchten, das aus ihrem Inneren zu kommen schien. Für einen Moment war es still. Dann ein Grollen. Und plötzlich: der Regenbogenblitz.
Er zischte durch die Bäume, malte einen flammenden Bogen über den Himmel und krachte lautlos am Horizont in den Boden. Die fünf Kinder sahen sich an – keiner sagte ein Wort.
„Was war das?“ flüsterte Thorne.
„Ich… ich glaube, das war ein Zeichen“, sagte Ember.
Ein warmes Glühen ging von den Kristallen aus. Jeder fühlte sich plötzlich leicht, mutig und… besonders. Cassian bemerkte als Erster, dass sich etwas verändert hatte. Die Seiten seines Notizbuchs begannen zu rascheln, obwohl kein Wind wehte. Als er eine Seite aufschlug, war darauf eine Zeichnung, die er nie gemacht hatte: Fünf Kinder, jede mit einem leuchtenden Umhang.
„Das ist... das sind wir“, murmelte er.
„Seht euch das an“, rief Veda plötzlich. Sie streckte die Arme aus, und ein leuchtendes Muster erschien kurz auf ihrer Haut – wie ein Symbol, das nur sichtbar wurde, wenn man daran glaubte.
Juniper hielt ihre Hand gegen die Wand, und wie durch Magie formte sich ein Bild aus Licht – ein Baum, umgeben von Sternen.
„Was auch immer das ist – es ist nicht normal“, sagte Thorne langsam. „Aber es fühlt sich richtig an.“
In diesem Moment vibrierte der Boden leicht. Die Kristalle begannen, in derselben Farbe wie ihre Träger zu leuchten. Und dann ertönte eine Stimme – klar, melodisch und doch fremd:
„SternenWächter... Ihr wurdet erwählt. Das Gleichgewicht ist in Gefahr. Findet eure Kräfte. Schützt das Licht.“
Dann war alles wieder still.
Die fünf Freunde saßen einen Moment sprachlos da. Der Staub im Baumhaus tanzte im Licht. Draußen zwitscherten die Vögel wieder. Alles wirkte normal – und war es doch nicht mehr.
„Ich glaube… wir sind Superhelden“, sagte Ember schließlich.
Cassian lachte nervös. „Superhelden mit Kristallen? Und einer Stimme aus dem Nichts?“
„Genau“, antwortete Veda. „Und ich wette, das war erst der Anfang.“
Sie verließen das Baumhaus – jeder mit seinem Kristall in der Tasche. Als sie das letzte Mal zurückblickten, war es verschwunden. Kein Baumhaus, keine Leiter, nur zwei alte Bäume, die sich im Wind neigten.
„Das kann doch nicht...“, flüsterte Juniper.
„Doch“, sagte Ember. „Es hat uns gefunden.“
Mit dieser Ahnung, dass ihr Leben sich gerade für immer verändert hatte, machten sie sich auf den Heimweg – und niemand sagte ein Wort. Nicht, weil sie nichts zu sagen hatten. Sondern weil sie spürten: Es beginnt gerade erst.
Hinweis
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