Zu diesem Buch
26
Kapitel
80
Minuten
20k+
Wörter
16+
Content
Die Flamme der Drachenkönigin
Kapitel 1
Der Amboss hallte noch nach, als Kael den letzten Schlag mit dem Hammer ausführte. Funken sprühten auf, als das glühende Metall unter seiner Hand Form annahm. In der dunklen Schmiede roch es nach Rauch, Eisen und etwas, das er nicht benennen konnte – ein Hauch von Asche, der nicht vom Feuer kam.
Kael wischte sich den Schweiß von der Stirn und betrachtete das Werkstück. Ein einfacher Dolch, aber perfekt ausbalanciert. Er war kein Meister, das behauptete er nie, doch in den letzten Jahren hatte er gelernt, Metall zu lesen. Es sprach zu ihm, auf eine Weise, die kein anderer Schmied verstand.
„Schon wieder so ein Ding“, murmelte eine Stimme hinter ihm. Der Lehrling Lior, kaum sechzehn, trat näher. „Du machst Werkzeuge, als wären sie für Könige.“
Kael antwortete nicht sofort. Sein Blick blieb auf dem Dolch, der nun in kaltem Wasser zischte. „Die Zeiten ändern sich. Vielleicht wird bald jeder einen Dolch brauchen.“
Lior schnaubte. „So wie du redest, glaubt man, der Krieg steht vor der Tür.“
„Er steht nicht vor der Tür“, sagte Kael leise. „Er wartet im Schatten.“
Der Junge schwieg, unsicher, ob es ein Scherz war. Kael war bekannt für seine ernsten Worte. Manche nannten ihn verrückt, andere weise. Die Wahrheit lag wohl irgendwo dazwischen.
Kael hatte keine Familie mehr. Keine Freunde. Kein Recht, im Dorf selbst zu leben. Seit man ihn beschuldigt hatte, bei einem Brand einen Jungen nicht gerettet zu haben, war er verstoßen worden. Die Schmiede außerhalb der Mauern war sein Exil – und sein Schutz.
Die Nacht kroch langsam heran, als Kael allein zurückblieb. Er hasste die Stille, denn in ihr flüsterte die Vergangenheit. Doch heute war es anders. Heute flüsterte etwas Neues.
Ein Licht flackerte auf dem Tisch. Kein Feuer, sondern ein blauer Schein, der aus einem Spalt im Boden drang. Kael kniete sich hin, kratzte die Erde weg und fand ein Stück Metall, das nicht von dieser Welt war. Es war warm, obwohl es kein Feuer berührt hatte, und es trug ein Symbol, das in seinem Innersten etwas zum Beben brachte.
Ein Auge. Ein geschlitzter Schlitz, wie das eines Reptils.
Kael wich zurück. Bilder durchzuckten seinen Geist. Feuer. Flügel. Ein Gebrüll, das den Himmel zerreißen konnte.
Er war nicht mehr allein.
Eine Stimme, rau wie Stein, sprach in seinem Kopf. „Erwacht ist die Flamme. Das Blut ruft.“
Kael presste die Hände gegen die Schläfen. „Was bist du?“
„Du weißt es“, antwortete die Stimme. „Du hast es immer gewusst.“
In dieser Nacht schlief Kael nicht. Er saß auf dem Boden, die metallene Scheibe vor sich, und starrte in die Glut des Schmiedefeuers. Erinnerungen kamen zurück – alte Geschichten, die seine Mutter ihm erzählt hatte. Von Drachen, von einem Erben, von einem Fluch.
Damals hatte er gelacht. Heute lachte niemand mehr.
Am nächsten Morgen war das Dorf in Aufruhr. Drei Häuser am Rand der Felder standen in Flammen. Niemand wusste, wie das Feuer begonnen hatte. Die Luft roch nach Schwefel.
Kael trat aus der Schmiede und blickte zum Horizont. Irgendetwas war erwacht. Und es würde nicht ruhen, bis es ihn gefunden hatte.
Er verbarg die Scheibe unter dem Boden und schnallte sich den neuen Dolch an den Gürtel. Er wusste nicht, wohin der Weg führen würde, doch er wusste, dass er begonnen hatte.
Und dass er nicht zurückkehren konnte.
Hinweis
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