Zu diesem Buch
25
Kapitel
88
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22k+
Wörter
12+
Content
Ascended
Kapitel 1: Der verlorene Kompass
„Du hast ihn verloren?!“
„Ich habe ihn nicht verloren, er hat sich einfach… vorübergehend von mir getrennt.“
Jamie rollte mit den Augen, während sie sich durch das dichte Unterholz schlugen. Der tropische Wald von Honduras war zwar atemberaubend schön, aber auch gnadenlos. Schweiß klebte ihr das T-Shirt an den Rücken, und jede Bewegung durch das Dickicht war ein Kraftakt. Trotzdem schaffte es Flynn, direkt hinter ihr, bei jeder Wurzel zu stolpern und dabei noch gute Laune zu versprühen.
„Also echt, Jamie… ich hatte diesen Kompass seit dem College. Der ist praktisch Teil meiner Seele.“
„Dann solltest du dich mal dringend seelisch reinigen lassen“, murmelte sie, ohne sich umzudrehen.
Flynn grinste, obwohl sie es nicht sah. Das war typisch für sie. Sarkasmus war ihr Weg, mit Stress umzugehen. Und Stress hatten sie reichlich. Vor nicht einmal drei Tagen waren sie noch in Panama gewesen, auf der Suche nach den Überresten des legendären Kapitäns Esteban Morales – einem spanischen Freibeuter, der angeblich ein Artefakt besaß, das zu einem Ort führte, den man nur aus Legenden kannte: die Stadt der Stimmen.
Die beiden hatten sich auf die Suche gemacht – gemeinsam mit Milo, ihrem Techniker, und Kira, der Sprach- und Kultur-Expertin. Ein Team, das auf den ersten Blick nicht zusammenpasste, aber irgendwie doch funktionierte. Jeder brachte seine eigene Portion Wahnsinn mit, und genau das hielt sie am Laufen.
„Hey!“ rief Flynn plötzlich. „Da vorne, siehst du das?“
Jamie trat aus dem Schatten der Bäume und blinzelte. Eine steinerne Plattform ragte mitten aus dem Boden. Überwuchert, aber eindeutig von Menschenhand geschaffen.
„Ein Altar?“
„Oder ein Grab. Oder ein Picknickplatz für Götter. Komm, lass uns näher ran.“
Typisch Flynn. Immer zuerst rennen, dann denken – und wenn es brenzlig wird, einen Spruch klopfen. Jamie hingegen war vorsichtiger. Ihre rechte Hand wanderte zu ihrer Hüfttasche, in der sich ihre Pistole befand. Man wusste nie, was einen in dieser Gegend erwartete.
Milo und Kira stießen bald zu ihnen. Milo, der wie immer leicht keuchend war, klopfte sich den Staub von der Hose und blickte mit geweiteten Augen auf den Altar.
„Das Muster da… das sieht nach symbolischer Navigation aus“, sagte Kira. Sie ging in die Hocke, fuhr mit den Fingern über die eingravierten Linien. „Ich glaube, das ist ein Koordinatensystem. Alte Maya-Schriftzüge. Aber… vermischt mit spanischen Symbolen. Sehr untypisch.“
„Ungewöhnlich war Morales sein zweiter Vorname“, sagte Flynn.
„Ich dachte, es war Alonso.“
„Stimmt. Und der dritte war wahrscheinlich: 'Irrsinnig'.“
Jamie grinste kurz. Diese Momente – diese neckenden Bemerkungen – waren es, die sie durchhalten ließen. Denn sie wusste, was bald kommen würde: Gefahr. Wahrscheinlich mehr, als sie erwartet hatten.
Kira holte ein Notizbuch hervor, begann zu skizzieren. „Wenn ich das hier richtig lese… dann führt der Pfad von hier aus zu einem alten Flussbett. Das ist vielleicht unser nächster Anhaltspunkt.“
Flynn nickte. „Gut. Ich hoffe, ihr habt eure Wanderschuhe geschnürt.“
„Du trägst Sandalen, Flynn.“
„Hightech-Sandalen. Mit Dschungel-Boost-Modus.“
Milo stöhnte. „Kann dieser Boost auch meine Blasen lindern?“
Jamie warf ihm einen Blick zu. „Hör auf zu jammern. Du wolltest ein Abenteuer.“
„Ich wollte ein Abenteuer auf Netflix, nicht mit Machete und Moskitos.“
Sie lachten. Ganz kurz, aber ehrlich.
Der Weg zum Fluss war beschwerlich. Zweige peitschten ihnen ins Gesicht, der Boden war rutschig, und das Summen von Insekten war ununterbrochen. Doch das Team arbeitete zusammen, wie ein eingespieltes Uhrwerk. Jeder hatte seine Aufgabe. Milo überprüfte das GPS – selbst wenn es nur sporadisch Empfang hatte. Kira deutete alte Felsmarkierungen. Und Jamie übernahm wie gewohnt die Führung.
Flynn? Flynn sammelte Steine. „Dieser hier sieht aus wie ein Herz. Ich nenne ihn 'Jamie’s Geduld' – selten und zerbrechlich.“
Sie lachte trotz sich selbst.
Doch je näher sie dem Fluss kamen, desto seltsamer wurde die Atmosphäre. Die Vögel waren verstummt. Das Summen der Insekten wurde leiser. Und dann – plötzlich – hörten sie Stimmen.
„Runter!“ rief Jamie.
Alle vier warfen sich ins Unterholz, als bewaffnete Männer auf einem Trampelpfad entlangmarschierten. Uniformen, Sturmgewehre – eindeutig paramilitärisch.
„Verdammt“, flüsterte Milo. „Die haben uns gefunden.“
„Das dachte ich mir“, sagte Jamie. „Morales’ Schatz ist nicht nur eine Legende. Und wir sind nicht die Einzigen, die davon wissen.“
Flynn flüsterte: „Wenn ich raten müsste… Kartell? Schatzjäger? Ex-Militär?“
„Alles drei“, erwiderte Jamie finster.
Kira kramte in ihrer Tasche, zog eine Karte hervor. „Wir müssen abseits der Route. Der Fluss ist zu riskant. Aber hier – ein alter Tunnel aus der Kolonialzeit. Vielleicht führt er uns an ihnen vorbei.“
Jamie überlegte nur kurz. „Dann los. Bevor sie zurückkommen.“
Der Einstieg in den Tunnel war versteckt unter einem umgestürzten Baum, kaum sichtbar. Nur dank Kiras akribischer Recherche hatten sie ihn überhaupt gefunden.
Drinnen war es feucht, dunkel – aber auch seltsam beruhigend. Der Lärm des Dschungels war ausgesperrt.
„Flynn?“
„Ja?“
„Wenn du nochmal deinen Kompass verlierst, erschieß ich dich.“
Er grinste im Dunkeln. „Aber dann findest du mich nicht mehr so charmant.“
Sie lachte. „Falsch gedacht. Ich fand dich noch nie charmant.“
Doch da war Wärme in ihren Worten.
Der Tunnel führte weiter… und mit ihm auch ihr Weg in ein Abenteuer, das sie alle verändern würde.
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