Zu diesem Buch
20
Kapitel
32
Minuten
8k+
Wörter
18+
Content
El Cerebro
Kapitel 1: Der Geruch von Benzin und Blut
Der Regen peitschte auf das rostige Blechdach der alten Lagerhalle, während drinnen nur gedämpfte Stimmen zu hören waren. Ein einzelnes Licht baumelte über einem Holztisch, umgeben von Männern mit wettergegerbten Gesichtern, Pistolen im Hosenbund, Augen kalt wie Stahl. Es war die Stunde der Wahrheit für Emilio Vargas.
Emilio war kein gewöhnlicher Junge aus Medellín. Er war mit fünfzehn aus dem Armenviertel geflohen, hatte sich mit dreckigen Jobs durchgeschlagen und sich schließlich in den Straßen des Barrio La Cumbre einen Namen gemacht. Nicht mit Fäusten – sondern mit Verstand. Der Spitzname kam schnell: El Cerebro. Das Gehirn.
Die Luft in der Halle war schwer, nicht nur vom Rauch billiger Zigaretten, sondern auch von Erwartung. Heute ging es nicht um irgendeinen Deal – heute ging es um die erste große Lieferung. Kokain. Reinster Stoff, direkt aus dem Labor in Santa Marta. Emilio hatte die Route organisiert, den Kontakt zum Kartell hergestellt, sogar die Bestechungsgelder verteilt. Alles sollte glatt laufen. Doch einer der Männer am Tisch schwieg zu viel. Ramón.
„Du hast ihn mitgebracht?“, zischte Miguel, einer der alten Hasen, Emilio ins Ohr. „Ich trau dem Bastard nicht.“
Emilio nickte kaum merklich. Er hatte es auch gespürt. Ramón war nervös, schwitzte trotz der Kälte. Und er hatte in letzter Zeit zu oft mit dem Telefon in der Ecke gestanden.
„Die Ladung kommt um Mitternacht“, sagte Emilio laut, damit alle es hören konnten. „Zwei Lieferwagen. Keine Polizei. Keine Helikopter. Die Route wurde letzte Nacht gewechselt. Nur ich kenne sie.“
Ein Raunen ging durch die Gruppe. Vorsicht war in diesem Geschäft keine Tugend – sie war Überlebensstrategie. Jeder Fehler konnte der letzte sein. Emilio sah in die Runde. In den Augen der Männer lag Gier, Misstrauen – und Respekt.
Plötzlich ein Knall. Die Tür flog auf. Drei maskierte Männer stürmten herein, Maschinenpistolen im Anschlag. Alles geschah in Sekunden. Einer der Alten wurde am Kopf getroffen, sackte lautlos zusammen. Emilio warf sich hinter den Tisch, zog seine Waffe. Er wusste: Das war ein Verrat. Und er wusste auch, wer dahintersteckte.
Während das Chaos tobte, robbte Emilio zur Seitentür. Kugeln zischten durch die Luft. Er dachte nicht nach. Ein Instinkt aus Jahren auf der Straße übernahm die Kontrolle. Er riss die Tür auf und verschwand in der Dunkelheit.
Als er Stunden später auf einem alten Dach in San Javier saß, mit einer blutenden Schulter und dem Geräusch von Sirenen in der Ferne, schwor er sich eines: Er würde den Maulwurf finden. Und er würde ihn eigenhändig töten.
Hinweis
Bewertungen sollen sich ausschließlich auf die Geschichte des Buches beziehen – nicht auf die Cameo-Auswahl oder Teilnahme. Wir freuen uns über ehrliches Feedback zur Handlung, den Charakteren oder dem Leseerlebnis. Die Cameo-Chance ist ein zusätzlicher Bonus und spielt in der Bewertung keine Rolle.
