Zu diesem Buch
22
Kapitel
75
Minuten
18k+
Wörter
16+
Content
Die Brezelritter von Einlaufstein
Kapitel 1 – Der Fluch von Einlaufstein
Es war einmal ein kleines, unbedeutendes Königreich namens Einlaufstein, so winzig, dass es auf keiner Karte verzeichnet war. Hier regierten Langeweile, Körpergeruch und eine tiefe Leidenschaft für Turniere mit aufgeblasenen Schweinsblasen. Genau in diesem abgeschiedenen Paradies lebten die größten Nulpen, die die Welt je gesehen hatte: Wurstlanze von Dümmertal, Lord Flachzange, Möhrenbaron der lahmen Provinz, Sir Puddinghelm und natürlich König Gammelbart, der 17.
An einem trüben Nachmittag, als der Matsch auf dem Burghof besonders tief und der Geruch von faulendem Gemüse besonders stechend war, trafen sich die Edlen zu einer Versammlung. Der Grund: Eine neue Seuche machte die Runde – „Schnupfen der Verdammten“ –, und die Hofheiler hatten bereits kapituliert.
„Wir brauchen Magie, Brüder“, röhrte König Gammelbart, während er in seinen Bart nieste, der prompt einen Tropfen verlor und an seinem Gürtel baumelte. „Alte Magie, wahre Macht! Holt mir den Hofzauberer!“
Sir Puddinghelm, der für seine geistige Agilität berüchtigt war wie eine betrunkene Schildkröte, rannte los, stolperte über einen Eimer und landete mit dem Gesicht voran in einer Lache vergorenen Möhrensafts. Niemand schenkte ihm Beachtung, denn der Hofzauberer trat schon selbst ein: Graf Lästerzunge vom faulen Hügel, ein dürrer Mann mit schiefer Nase und einem Hut, der aussah, als hätte er einen Kampf gegen eine Katze verloren.
„Majestät“, säuselte Lästerzunge, während er sich an seinem Stock abstützte. „Es gibt nur eine Lösung: Das uralte Ritual der Zeitspaltung.“
„Spalte meine Zeit!“ brüllte der Möhrenbaron begeistert, obwohl er offensichtlich keine Ahnung hatte, was das bedeuten sollte.
Lästerzunge holte eine verstaubte Pergamentrolle hervor und begann, eine Litanei aus muffigen Silben zu rezitieren. Die Ritter, die längst keine Geduld mehr hatten, begannen sich zu langweilen. Lord Flachzange schlief ein, Wurstlanze von Dümmertal zählte seine Nasenhaare und Sir Puddinghelm versuchte, eine Fliege zu fangen, indem er sie mit der Zunge attackierte.
Doch plötzlich bebte der Boden. Ein gleißendes Licht erhellte den Saal. Ein Windstoß fegte die Fackeln von den Wänden. Eine unsichtbare Macht zog an ihren Körpern wie ein betrunkener Schmied an einem rostigen Schwertgriff. Die Luft roch nach verbrannten Kohlrüben und nassem Hund.
„Was zum Brotkasten ist das?“ kreischte der Möhrenbaron, als seine Füße den Kontakt zum Boden verloren.
„Ich hab Angst, Mutter!“ rief Sir Klobürstenbart, der gar nicht im Raum gewesen war, aber plötzlich schreiend durch ein Fenster flog.
Das Licht wurde immer heller, bis keiner mehr etwas sehen konnte. Ein gellendes Zischen durchbohrte ihre Ohren. Die Zeit selbst schien auseinanderzubrechen.
Dann, so plötzlich wie es begonnen hatte, herrschte Stille.
Der Gestank blieb.
Und die Helden – wenn man diese Haufen Elend so nennen durfte – waren verschwunden.
Sie landeten mit einem dumpfen Plumps auf einem harten, kalten Untergrund. Die Sonne brannte heiß auf ihre Haut. Ringsherum ragten metallene Riesen in den Himmel. Bunte Kutschen ohne Pferde rasten an ihnen vorbei, begleitet von seltsamen Hupgeräuschen. In der Ferne glitzerte ein Tempel aus Glas und Stahl, so hoch wie zwanzig Burgtürme übereinander.
„Wo sind wir?“ röchelte Wurstlanze und versuchte, seine Krone aus einer Lache fremder Flüssigkeit zu fischen.
Lord Flachzange starrte auf ein vorbeifahrendes Taxi. „Seht! Ein feuerspeiender Drachenwagen!“
„Die Prophezeiung erfüllt sich!“ schrie der Möhrenbaron ekstatisch und warf sich auf den Bürgersteig, als wolle er den Asphalt küssen.
Sir Puddinghelm nestelte an seinem Gürtel und zog eine halbe Wurst hervor, die er dem nächstbesten Passanten als „Friedensopfer“ darreichen wollte. Der Mann schrie auf, ließ seinen Kaffeebecher fallen und rannte davon.
König Gammelbart erhob sich mühsam und sprach mit gravitätischer Stimme: „Männer, dies ist ein Prüfstein der Götter. Wir müssen diese Dämonenwelt erobern. Für Einlaufstein! Für den Ruhm! Für… mich!“
Die Gruppe stellte sich in Positur, als wolle sie ein Gemälde für die Ewigkeit abgeben. Leider stand Wurstlanze dabei mitten in einer Hundehinterlassenschaft, was dem Pathos einen gewissen Duft verlieh.
Plötzlich näherte sich eine uniformierte Gestalt mit einem funkenden Zauberstock an der Brust.
„Alles in Ordnung hier?“ fragte der Polizist, der natürlich keine Ahnung hatte, wen er da vor sich hatte.
„Seid Ihr der Hohepriester dieses Landes?“ fragte Lord Flachzange ehrfürchtig und machte eine tiefe Verbeugung.
„Haben wir Euch zu Füßen zu liegen, um unsere Unschuld zu beweisen?“ ergänzte der Möhrenbaron und rutschte dramatisch auf den Knien näher.
Der Polizist runzelte die Stirn und griff nach seinem Funkgerät. Noch bevor er Verstärkung rufen konnte, stürmte die Gruppe los – direkt in ein Parkhaus, wo sie glaubten, Schutz zu finden.
Was sie dort erwartete, konnte keiner ahnen. Aber eines war sicher: Die Reise der größten Chaoten aus Einlaufstein hatte gerade erst begonnen.
Hinweis
Bewertungen sollen sich ausschließlich auf die Geschichte des Buches beziehen – nicht auf die Cameo-Auswahl oder Teilnahme. Wir freuen uns über ehrliches Feedback zur Handlung, den Charakteren oder dem Leseerlebnis. Die Cameo-Chance ist ein zusätzlicher Bonus und spielt in der Bewertung keine Rolle.
