Zu diesem Buch
20
Kapitel
44
Minuten
11k+
Wörter
12+
Content
Chaos hoch Vier
Kapitel 1: Neue Schuhe, altes Leben
Die Sonne brannte auf das Küstenvorstädtchen Brighton Bay, Kalifornien. Auf dem Bürgersteig, vor einem renovierungsbedürftigen Apartmentkomplex, balancierte ein Mann Anfang vierzig mit einem dampfenden Kaffeebecher in der einen und einer Box Donuts in der anderen Hand. Seine Sonnenbrille war leicht schief, sein Hemd nicht ganz zugeknöpft. Sein Name: Eli Parker, geschieden, ehemaliger Gitarrist einer erfolglosen Collegeband, und seit fünf Jahren Betreiber eines kleinen, kaum besuchten Musikstudios über einer Bowlinghalle.
Eli war ein Mann, der sich mit dem Mittelmaß arrangiert hatte – halb freiwillig, halb aus Mangel an Alternativen. Heute war ein besonderer Tag. Er hatte neue Schuhe. Schwarze Sneaker mit roten Streifen. "Man sagt, neue Schuhe können dein Leben verändern", murmelte er zu sich selbst, während er sich die Tür zu seinem Apartment aufschloss.
Im Wohnzimmer stand bereits Tyler, sein 17-jähriger Neffe, der seit dem unerklärlichen "Yoga-Retreat auf unbestimmte Zeit" seiner Mutter – Elis Schwester – bei ihm wohnte. Tyler war technikaffin, sarkastisch, und durch nichts aus der Ruhe zu bringen. Gerade programmierte er etwas auf seinem Laptop, vermutlich wieder ein fragwürdiges Minispiel mit sprechenden Robotern.
„Neue Schuhe? Erwartest du einen Sprint oder ein Vorstellungsgespräch?“, fragte Tyler, ohne aufzusehen.
„Ein bisschen Stil, Junge. Nur weil du 17 bist und alles in Kapuzenpullis regeln kannst, heißt das nicht, dass ich wie ein Penner rumlaufen muss“, konterte Eli und balancierte den Kaffeebecher auf den Stapel alter Rechnungen auf dem Küchentisch.
„Die Rechnung für Internet ist übrigens immer noch offen“, bemerkte Tyler trocken.
Eli ignorierte die Bemerkung, kramte ein Donut mit Schokoladenglasur aus der Box und warf ihn sich in den Mund. In diesem Moment kam Cody, Elis Mitbewohner und bester Freund seit Highschool-Zeiten, aus dem Badezimmer. Cody war das genaue Gegenteil von Eli – Anfang vierzig, Versicherungsmakler mit einer Schwäche für Blenderdrinks, billige Aftershaves und Reality-TV.
„Ich hab' geträumt, dass ich auf einem Einhorn über eine Bowlingbahn geritten bin und du warst die Bowlingkugel“, sagte Cody ernst, während er sich einen Donut schnappte.
„Das erklärt einiges“, murmelte Tyler.
„Ich rede mit meinem Therapeuten drüber“, sagte Eli beiläufig. „Also… wenn ich einen hätte.“
Plötzlich vibrierte Elis Handy. Eine Nachricht von Amber, seiner Ex-Frau. "Du hast Max heute. Bring ihn bitte nicht wieder mit Hot Dogs ins Bett."
„Ich hab’ heute Max“, sagte Eli seufzend.
„Cool, noch ein Kind im Haus“, sagte Tyler. „Vielleicht kann ich ihm beibringen, wie man Firewalls umgeht.“
„Nur wenn du ihm auch beibringst, wie man ‘bitte’ sagt“, knurrte Eli.
Max, Elis achtjähriger Sohn, war ein cleverer, aber hyperaktiver Junge mit einer Vorliebe für Superhelden und Zuckerschocks. Die Wochenenden mit ihm waren wie Achterbahnfahrten – laut, chaotisch und meistens mit Flecken auf der Couch. Eli liebte ihn über alles, war aber immer wieder überrascht, wie anstrengend so ein kleiner Mensch sein konnte.
„Ich hab’ heute auch noch ein Vorstellungsgespräch“, sagte Cody plötzlich, als würde er sich gerade daran erinnern.
„Du bist doch schon Versicherungsmakler“, sagte Tyler.
„Ja, aber dieses hier ist… bei einem Start-up!“, sagte Cody mit leuchtenden Augen.
„Was macht das Start-up?“, fragte Eli skeptisch.
„Sie verkaufen smarte Hundeleinen. Die vibrieren, wenn dein Hund schlechte Laune hat.“
Eli verdrehte die Augen. „Natürlich tun sie das.“
Der Tag nahm seinen Lauf. Cody zog sich ein viel zu enges Hemd an, Tyler baute irgendein fragwürdiges Gerät, das Alexa mit dem Toaster verband, und Eli machte sich seelisch auf einen Nachmittag mit Max gefasst – zwischen Comicfiguren, Lego-Schlachten und eventuell einem Hot Dog im Bett.
Und während die Sonne über Brighton Bay langsam unterging, dachte Eli: Vielleicht bringen neue Schuhe wirklich Veränderung. Vielleicht… Dann stolperte er über den Spielzeugdinosaurier, den Tyler gestern gekauft, aber nie ausgepackt hatte, und landete mit dem Gesicht voran auf dem Teppich.
Oder auch nicht.
Hinweis
Bewertungen sollen sich ausschließlich auf die Geschichte des Buches beziehen – nicht auf die Cameo-Auswahl oder Teilnahme. Wir freuen uns über ehrliches Feedback zur Handlung, den Charakteren oder dem Leseerlebnis. Die Cameo-Chance ist ein zusätzlicher Bonus und spielt in der Bewertung keine Rolle.
